Polizeiärztliche Untersuchung und Belastungs-EKG

Polizeiärztliche Untersuchung und Belastungs-EKG

Bei der polizeiärztlichen Untersuchung wird geprüft ob ein Bewerber oder eine Bewerberin polizeidiensttauglich ist. Denn an die zukünftigen Polizeibeamten werden hohe körperliche Erwartungen gestellt, zudem muss sichergestellt werden dass eine uneingeschränkte und absehbar langfristige gesundheitliche Eignung gewährleistet ist. Im Zuge der Untersuchungen bei der Polizei, werden unter anderem Hör- und Sehvermögen sowie die körperliche Belastungsfähigkeit (EKG) getestet. Ebenfalls wird die Körpergröße gemessen und der Body-Mass-Index (BMI) ermittelt. Abschließend folgt eine voll umfängliche Untersuchung durch einen Polizeiarzt oder einer Polizeiärztin. 

Polizeiärztliche Untersuchung nach PDV 300

Die Polizeidienstvorschrift 300, kurz PDV 300, ist eine Verordnung für die körperlichen und gesundheitlichen Anforderungen an den Polizeivollzugsdienst. Die PDV 300 gilt deutschlandweit und ist für alle Bundesländer gleichermaßen anzuwenden. Jeder Polizeiarzt oder jede Polizeiärztin orientiert sich überwiegend an der PDV 300. Dein gesundheitlicher Zustand wird aber auch immer individuell vom Arzt beurteilt. Eine körperliche Einschränkung oder zurückliegende Vorerkrankung muss also nicht gleichbedeutend das Aus bei der Polizei bedeuten. 

Wie läuft die allgemeine körperliche Untersuchung beim Polizeiarzt ab?

Im Vorfeld der Bewerbung muss jeder Bewerber und jede Bewerberin umfangreiche Angaben zu ihren gesundheitlichen Zustand machen und einen Fragebogen ausfüllen und gegebenenfalls weitere Bescheinigungen und Befunde einreichen. Zu Beginn der Untersuchungen wird der Polizeiarzt mit dir diese Unterlagen noch einmal kurz durchgehen. Danach erfolgt die eigentliche Untersuchung von „Kopf bis Fuß“. Deine Bewegungs– und Halteapparate wie Gelenke, Knochen und Muskeln werden durchgechekt und auch deine Reflexe und deine Atmung wird kontrolliert. Des Weiteren werden bei der polizeiärztlichen Untersuchung dein Gebiss und deine Ohren begutachtet. Ebenso musst du eine Urinprobe abgeben und es wird ein Bluttest gemacht. Beide Proben werden dann in einem Labor ausgewertet. 

Der Hörtest

Neben den Augen müssen auch die Ohren einwandfrei funktionieren, denn Polizisten müssen viel mit Menschen sprechen und ihnen zuhören. Dabei darf es zu keinen Missverständnissen kommen nur weil ein Wort falsch verstanden wurde. Beim Hörtest sitzt du in einer schalldichten Kabine mit Kopfhörern auf wo dir verschiedene Tonfrequenzen abgespielt werden. Beim erklingen eines Signals musst du dies entweder per Knopfdruck oder Handzeichen anzeigen. So wird deine Höhrleistung auf Einschränkungen und Störungen wie z.B. Tinnitus, Hörsturz oder Entzündungen sowie Beschädigungen am Trommelfell geprüft. 

Die Zähne

Ein saniertes Gebiss und gesunde Zähne sind ebenfalls ein weiteres Kriterium zum Bestehen der ärztlichen Prüfung. Solltest du also optisch oder gesundheitlich (Karies) schlechte Zähne haben, ist dies kein gutes Zeichen für eine Einstellung. Lass dir also vor dem Auswahlverfahren noch einmal von deinem Zahnarzt in den Mund schauen und kläre mit diesen ab, ob eventuell noch Behandlungen durchgeführt werden müssen.

Wird ein Drogentest bei der Polizei durchgeführt?

Neben den Standarduntersuchungen gehört auch ein Drogenscreening zur polizeiärztlichen Untersuchung dazu. Deine Urin– und Blutprobe wird im Labor ebenfalls auf mögliche Drogen getestet. Sollten die Untersuchungen der Drogentests positiv ausfallen, dann ist das Auswahlverfahren für dich beendet und du wirst polizeidienstuntauglich eingestuft. 

Der Body-Mass-Index (BMI)​

Das messen und wiegen des Körpers, um den daraus resultierenden BMI zu ermitteln, ist ebenso Teil der Untersuchungen beim Polizeiarzt. Denn in den meisten Bundesländern ist eine Mindestgröße (160 cm bis 165 cm) unabdingbar für eine Einstellung. Parallel muss aber auch das Körpergewicht zur Körpergröße in einem passenden Maß stehen. Dieses Maß wird mit den Body-Mass-Index durch folgende Formel ermittelt. 

Formel für den Body Mass Index: Man teilt das Körpergewicht zwei mal durch die Körpergröße.

Körpergewicht (in kg) : Körpergröße (in m) : Körpergröße (in m)

Beispiel: Gewicht: 65 kg, Größe: 170 cm
Rechnung: BMI= 65 ÷ 1,7 ÷ 1,7= 22,49 

Sehtest bei der Polizei

Der Sehtest dient in erster Linie dazu das Sehvermögen zu testen und herauszufinden ob die bestimmten Anforderungen nach der PDV 300 erfüllt werden. Anhand von verschiedenen Tests wird deine Sehstärke, dein farbliches und räumliches Sehen ermittelt sowie das Dämmerungssehen und die Blendempfindlichkeit untersucht.    

Mit Brille bei der Polizei bewerben

Wer auf eine Sehhilfe angewiesen ist, ist nicht automatisch untauglich für die Polizei. Trotz Brille kannst du dich also trotzdem bei der Polizei bewerben, solange du bestimmte Werte nicht überstreitest. Hierzu musst du vor deiner Bewerbung einen augenärztlichen Attest über deine Sehleistung ausfüllen, diesen kannst du am besten bei deinen Augenarzt oder Optiker für ca. 25 € machen lassen. Nur wenn du das Formular eingereicht hast kannst du den Sehtest auch mit Brille durchführen.  

Mit diesen Sehwerten ist die Polizeidiensttauglichkeit nicht gegeben

Die Anforderungen an das Sehvermögen sind deutschlandweit in der bundeseinheitlichen PolizeiDienstVorschrift 300 (PDV 300) geregelt. Ohne Brille muss die Sehleistung bis zum 20. Lebensjahr 50%, danach 30% auf jedem Auge betragen. Außerdem wird Farbunterscheidungsvermögen, Stereosehen und Nachtsehvermögen verlangt. 

Bei folgenden Merkmalen des Sehvermögens ist die Polizeidiensttauglichkeit ausgeschlossen.

  • Missbildungen, Defekte oder chronische oder zum Rückfall neigende Krankheiten des Augapfels, der Augenmuskeln, der Augenlider, der Tränenorgane, der Hornhaut (Hornhauttrübungen, sofern sie das Sehen behindern) und des inneren Auges
  • Schielen, Augenmuskellähmungen, Nystagmus
  • Augendruckerhöhung über 20 mmHg
  • Brechungsanomalien oder Augenerkrankungen, die die Benutzung von Kontaktlinsen oder Intraokularlinsen erfordern.
  • Zustand nach refraktionschirurgischem Eingriff mit unklarer Prognose (z.B. Augen-Laser-OP vor weniger als 6 Monaten)
  • unkorrigierte Sehschärfe (Fernvisus) schon auf einem Auge von weniger als 0,5, wenn das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet ist, von weniger als 0,3, wenn das 20. Lebensjahr vollendet ist
  • korrigierter Visus unter 0,8 schon auf einem Auge, selbst bei einem Visus von 1,0 des anderen Auges
  • unzureichender Nahvisus Hyperopie in Zykloplegie über +2,5 dpt sphärisch schon auf einem Auge
  • unzureichendes räumliches Sehen - herabgesetzte Dämmerungssehschärfe - erhöhte Blendungsempfindlichkeit - Gesichtsfeldeinschränkung schon auf einem Auge
  • die astigmatische Komponente einer Fehlsichtigkeit darf +/-2,5 dpt nicht überschreiten
  • der Unterschied der Fehlsichtigkeiten beider Augen (Anisometropie) darf +/- 2,5 dpt nicht überschreiten
  • Farbensinnstörung

1 Auszug aus der PDV 300 Ausgabe 2012, in Kraft getreten am 01.04.2013 – Stand Oktober 2018

Augen für die Polizei lasern lassen

Viele Bewerber mit schlechten Sehleistungen lassen sich die Augen lasern um eine Zulassung für die Polizeidiensttauglichkeit  zu erhalten. Denn Augenlaseroperationen zum Erreichen der polizeilichen Anforderungen sind in allen Bundesländer zulässig. Damit eine Augenlaserbehandlung jedoch anerkannt wird, gilt es im Vorfeld zu klären welche Lasermethode erlaubt ist, denn jede Polizeibehörde regelt dies unterschiedlich.   

Polizeiärztliche Untersuchung Belastungs-EKG

In Verbindung mit der polizeiärztlichen Untersuchung findet auch ein EKG statt. Hierbei handelt es sich standardmäßig um ein Belastungs-EKG (Elektrokardiogramm), das mit den Bewerbern durchgeführt wird. Beim Belastungs-EKG wird in erster Linie die individuelle körperliche Leitungsfähigkeit gemessen, denn der Polizeidienst erfordert körperliche Fitness und ausgezeichnete Kondition. Des Weiteren kann der Polizeiarzt oder die Polizeiärztin mit dem EKG feststellen, ob eventuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen oder es gesundheitlichen Einschränkungen beim Bewerber existieren.

Wie läuft das Belastungs-EKG bei der Polizei ab?

Angeschlossen mit Elektroden an Brust, Armen und Beinen musst du sitzend auf einem Fahrradergometer eine gewisse Zeit in die Pedalen treten, dabei wird deine Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems ermittelt. Durch stätig ansteigende Schwierigkeitsgrade auf dem Ergometer wird dein Körper immer höheren Belastungen ausgesetzt, wo am Ende jeder Stufe deine Daten gemessen und ausgewertet werden. Im Zuge dessen beobachtet der Polizeiarzt deine Herzstromkurve, deinen Puls und deinen Blutdruck.

EKG-Belastungsgrenze

Anhand deiner Daten (Gewicht und Alter) kann der Arzt deine persönliche Belastungsgrenze festlegen. Diese liegt mehr oder weniger bei einer Herzfrequenz von 220 Schlägen pro Minute minus dem Lebensalter. Im Vergleich: Im Ruhepuls liegt die Herzfrequenz bei etwa 60-80 Schlägen in der Minute. 

EKG-Belastungsstufen

Beim Belastungs-EKG muss man in der Regel 12 Minuten lang in die Pedalen treten. Es besteht insgesamt aus sechs Belastungsstufen die sich alle 2 Minuten erhöhen, solange bis die Endstufe erreicht ist. Dabei wird pro Belastungsstufe jeweils um 25 Watt erhöht.

Bei einer Person die 75 kg schwer ist, sieht es bei sechs Intervalle à zwei Minuten wie folgt aus:

  • Stufe 1 - 100 Watt
  • Stufe 2 - 125 Watt
  • Stufe 3 - 150 Watt
  • Stufe 4 - 175 Watt
  • Stufe 5 - 200 Watt
  • Stufe 6 - 225 Watt

Die folgenden Belastungsstufen, entsprechen etwa der körperlichen Belastung im Alltag:    

  • 25-100 Watt: zügiges Gehen
  • 75-100 Watt: Treppensteigen oder langsames Radfahren
  • 125-150 Watt: Joggen oder schnelles Radfahren
  • über 150 Watt: starke sportliche Belastung

Nach der polizeiärztlichen Untersuchung

Sind sämtliche Untersuchungen beendet findet noch ein kurzes Abschlussgespräch mit dem Polizeiarzt oder der Polizeiärztin statt. Abhängig von deinen Vorerkrankungen oder beigelten Befunden, kann es vorkommen, dass du noch fachärztliche Atteste nachreichen musst oder weitere Untersuchungen angeordnet werden, entweder durch den Polizeiarzt selber oder durch einen entsprechenden Facharzt. 

Wann ist man Polizeidienstuntauglich (PDU)?

Für den Polizeidienst musst du gesundheitlich top fit und körperlich belastbar sein, sind diese Hauptkriterien nicht gegeben, wird von einer Einstellung deiner Person abgesehen. Aber um vom Polizeiarzt als Diensttauglich eingestuft zu werden, spielen noch andere wichtige Faktoren eine große Rolle. Dazu lassen sich die gesundheitlichen Einschränkungen grob in vier Abschnitte einteilen, die eine Polizeidienstuntauglichkeit herbeirufen:

  • Wenn die Gesundheit und körperliche Belastbarkeit ungenügend:

Leidest du unter starken Allergien oder hast chronische Erkrankungen, wie z. B. eine Knochen-, Hormon- oder Blutkrankheit, dann bist du Dienstuntauglich. Auch können noch nicht abgeschlossene Behandlungen oder frühere Verletzungen oder Folgeschäden von einem Unfall zum Ausschluss führen. 

  • Wenn eine überhöhte Verletzungsgefahr besteht:

Der Eigenschutz bei Polizeieinsätzen steht an erster Stelle, daher prüft der Arzt ob deine Sinnesorgane auch ohne Hilfsmittel (z. B. Brille oder Hörgerät) einwandfrei arbeiten und kein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Dieses kann auch z. B. durch Brustimplantate oder ein schwaches Immunsystem hervorgerufen werden.      

  • Wenn man Psychisch nicht belastbar genug ist oder seelische Störungen vorliegen:

Solltest du eine schwache Psyche oder seelische Erkrankungen aufzeigen, wie z. B. Persönlichkeitsstörungen oder eine geringe psychische Belastbarkeit, dann wirst du ebenfalls als Polizeidienstuntauglich eingestuft.  

  • Wenn ein Konzentrationsproblem oder Suchtmittelkonsum vorhanden ist:

Solltest du unter Stimmungsschwankungen, Bewusstseins- oder Konzentrationsstörungen leiden, muss der Arzt von einer Einstellung absehen. Eine Abhängigkeit von Medikamenten oder ein Suchtmittelkonsum sind gleichermaßen ein Ausschlussgrund für die Polizei. 

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