Polizei Assessment Center im Auswahlverfahren

Polizei Assessment-Center im Auswahlverfahren

Sind deine Bewerbungsunterlagen eingegangen und erfüllst du hinlänglich alle Voraussetzungen bei der Polizei, erhältst du im Zuge dessen eine Einladung zum Auswahlverfahren. In diesem werden nicht nur deine geistigen und körperlichen Leistungen ausgiebig getestet, sondern auch deine sozialen Fähigkeiten spielen im Auswahlverfahren der Polizei eine große Rolle. Das Auswahlverfahren selbst setzt sich bei der Polizei grundlegend aus einen schriftlichen Testteil und einem mündlichen Prüfungsabschnitt mit Assessment-Center zusammen.  

Ablauf und Aufbau des Polizei Assessment-Center

Um herauszufinden ob ein Bewerber oder eine Bewerberin für den Job bei der Polizei geeignet ist, wird ein umfängliches und anspruchsvolles Eignungsauswahlverfahren (EAV) durchgeführt. Jeder Bewerber wird auf Leistung, Eignung und Befähigung getestet und dann nach Bestenauslese ausgewählt. Das Auswahlverfahren bei der Polizei besteht immer aus mehreren Abschnitten, das sich meist aus vier Prüfungsteilen zusammensetzt: bestehend aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung, aus einem Sporttest und einer körperlichen Untersuchung beim Polizeiarzt. Wobei der computergestützte schriftliche Test an erster Stelle im EAV steht und der persönliche bzw. mündliche Testteil mit Assessment-Center üblicherweise am Ende eines Auswahlverfahrens durchgeführt wird. 

Definition Assessment-Center

Assessment-Center kommt aus dem Englischen und bedeutet „To assess“ – „etwas bewerten, abschätzen oder feststellen“. Das Assessment-Center ist ein strukturiertes Auswahl- und Bewertungsverfahren, das unter anderem auch die Polizei zur Einstellung und Bewertung von Bewerbern einsetzt. Es werden dort in Einzel- oder Gruppenaufgaben Fähigkeiten und Eigenschaften geprüft, die für die den Polizeidienst maßgeblich sind. Häufig werden dazu Situationen aus der Praxis nachgestellt, in denen sich der Bewerber oder die Bewerberin des Assessment-Centers behaupten muss. Es geht beim Assessment-Center also im Wesentlichen darum, wie du dich gegenüber anderen Menschen verhältst.

Hast du den ersten Prüfungstag im Auswahlverfahren bestanden und auch die Sportprüfung erfolgreich hinter dir gebracht, folgt eine Einladung zum Assessment-Center oder einem persönlichen Vorstellungsgespräch. Ein Assessment-Center dient in erster Linie zur Feststellung deiner sozialen und kommunikativen Fertigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Dazu werden gerne Rollenspiele, Gruppenaufgaben oder Vorträge zum Prüfen deiner Kompetenzen durchgeführt.    

Inhalte des Assessment-Center

Im Assessment Center des Polizei Auswahlverfahrens kommen Persönlichkeitstests in Form von Gruppendiskussionen Rollenspiele oder Selbstpräsentationen sowie andere Tests zum Einsatz. In der Regel wird das Assessment-Center durch ein fachkundiges Auswahlkomitee – bestehend aus aktiven Polizeiangehörigen und Psychologen – begleitet, die das Geschehen der zukünftigen Polizeianwärter „im Hintergrund“ verfolgen. Hierbei spielt das fachliche Wissen der Bewerber nur eine beiläufige Rolle. Entscheidender im Assessment-Center der Polizei ist vielmehr das Verhalten der einzelnen Bewerber und Bewerberinnen in einer Gruppe sowie der Umgang mit den anderen Mitstreitern. Auch kommt es darauf an wie gut du Herausforderungen meistern und Problemstellungen lösen kannst. 

Assessment-Center Aufgaben

Die Präsentation

Während des Auswahlverfahrens wirst du mit mindestens einer Art der Präsentation konfrontiert. Die gängigste Variante ist die Selbstpräsentation, bei der es um die Vorstellung deiner eigenen Person geht. Es sind jedoch auch andere Präsentationsformen denkbar. Welche das sein können, möchten wir dir nachfolgend gerne vorstellen.

Die Selbstpräsentation

Bei beliebtesten Präsentationsform geht es darum, dass du dich und deine Persönlichkeit vor den Prüfern oder aber – in Anwesenheit der Prüfer – vor deinen Mitbewerbern vorstellen musst. Der Inhalt der Eigenpräsentation kann von dir in der Regel frei gestaltet werden. Es kann aber auch sein, dass du bestimmte Vorgaben einhalten musst. In diesem Fall wäre deine Aufgabe, über deinen Werdegang, ein Hobby oder über deine Stärken und Schwächen zu berichten.

Die Mitbewerberpräsentation

Die Vorstellung eines deiner Mitbewerber stellt eine weitere Form der Präsentation dar. Hierbei steht die Art und Weise deines Vortrags im Fokus. Der Inhalt spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Der Kurzvortrag

Vielleicht wird dir aber die Aufgabe gestellt, deine Präsentation in Form eines Kurzreferates zum Besten zu geben. Hierfür bekommst du entweder ein Thema gestellt oder du suchst dir aus mehreren Themenvorschlägen dein favorisiertes Thema aus. Im Anschluss erfolgt die Vorbereitung deines Vortrages innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens. Hierfür sind weder Bücher noch das Internet als Hilfsmittel zugelassen. Nach Ablauf der Vorbereitungszeit hältst du deinen Vortrag vor der Prüfungskommission. Hierfür hast du in der Regel fünf Minuten Zeit.

Was für eine Präsentation wichtig ist

Anhand der Präsentation möchte die Prüfungskommission erfahren, wie es um deine Ausdrucksfähigkeit bestellt ist. Auf nachfolgende Kriterien wird dabei besonders Wert gelegt:

  • Ist ein roter Faden erkennbar?
  • Machst du während deiner Präsentation einen selbstbewussten Eindruck?
  • Kannst du deine Inhalte interessant und lebendig präsentieren?
  • Macht es Spaß, dir zuzuhören?
  • Hast du in der kurzen Zeit an alles Wichtige gedacht?

Diese und möglicherweise noch andere Fragen sind bei der Beurteilung deiner Präsentation von Bedeutung. Versuche deshalb, dich nicht zu verzetteln, sondern einzelne wichtige Punkte möglichst aussagekräftig darzustellen.

Die Gruppendiskussion oder Gruppenaufgabe

Bei dieser Aufgabe bildest du in der Regel mit drei bis fünf anderen Kandidaten eine Gruppe, die dann gemeinsam ein gestelltes Thema bearbeiten oder diskutieren muss. Die aus zwei bis fünf Prüfern bestehende Prüfungskommission beobachtet und bewertet euch dabei. Gruppenaufgaben lassen sich in vier unterschiedliche Varianten aufteilen:

Gruppendiskussion ohne Zielvorgabe:

Bei dieser Aufgabenstellung musst du mit deinen Gruppenmitglieder ein Thema diskutieren. Entweder wird das Thema vorgegeben oder ihr wählt eines aus mehreren Vorschlägen aus. Hierbei wird bereits eure Vorgehensweise zur Einigung auf ein bestimmtes Thema bei der Bewertung berücksichtigt.

Gruppendiskussion mit Zielvorgabe:

Diese Variante ist der ersten ähnlich. Sie unterscheidet sich jedoch darin, dass am Ende der Diskussion auch ein gemeinsames Ergebnis stehen muss.

Gruppenaufgabe mit Problemstellung:

Diese Variante ist insofern anspruchsvoller, da der Gruppe eine Situation inklusive Problem- oder Aufgabenstellung genannt wird. Hierbei kann es sich um ein Ereignis oder eine Fallstudie handeln. Es ist auch möglich, dass ihr Lagepläne oder Karten erhaltet, die für die Lösung der Problemstellung genutzt werden sollen. Ziel ist es, dass die Gruppe hinsichtlich der Vorgehensweise einen konkreten Plan herausarbeitet. Teamwork ist also gefragt, da die Gruppe gemeinsam erarbeiten und entscheiden muss, wie das gestellte Problem optimal gelöst werden kann.

Gruppendiskussion mit Rollenvorgabe:

Bei dieser Art der Gruppendiskussion wird jedem einzelnen Teilnehmer ein Standpunkt zugeteilt, der in der sich anschließenden Diskussion innerhalb der Gruppe überzeugend vertreten werden muss.

Was bei der Gruppendiskussion wichtig ist

In die Bewertung fließt weniger das Ergebnis als vielmehr der Weg zum Ergebnis in die Bewertung ein. Die Prüfer wollen sich ein Bild davon machen, wie die Gruppenmitglieder miteinander umgehen. Gewertet werden dabei das Sozialverhalten und das sprachliche Ausdrucksvermögen. Deshalb ist es bei dieser Aufgabe besonders wichtig, dass du dich als Teil der Gruppe verstehst; dich aktiv in die Diskussion einbringst und deine Haltung überzeugend vertreten kannst.

Das Rollenspiel

Beim Rollenspiel geht es um das Nachspielen einer vorgegebenen Situation, die dir jederzeit auch im beruflichen Alltag begegnen kann. Ein beliebtes Beispiel ist, den Kandidaten ein Konfliktgespräch in der Rolle eines Polizisten mit einem Bürger führen zu lassen. Vielleicht ist dein gestelltes Szenario ein kompliziertes Gespräch mit einem Kollegen. Oder du musst als Schlichter eines Streitgesprächs zweier Personen fungieren. Beim Rollenspiel ist dein Partner meist Mitglied der Prüfungskommission oder ein ausgebildeter Polizist; das zwei Mitbewerber ein Rollenspiel gestalten, kommt eher selten vor.

Vor dem Rollenspiel bekommst du ein paar Minuten Vorbereitungszeit. Das Rollenspiel selbst dauert meist zwischen fünf und zehn Minuten. Stelle dich darauf ein, dass auf das Rollenspiel noch ein Gespräch folgt, in dem du mit den Prüfern über die dargestellte Situation diskutierst und dein Vorgehen erläuterst.

Was beim Rollenspiel wichtig ist

Wenn du so willst, handelt es sich bei dem Rollenspiel um das verkleinerte Format einer Diskussion. Entscheidend dabei ist, dass du dir einen Überblick verschaffst und anschließend zu einer Lösung der Situation findest. Deine Kontaktfähigkeit, dein Einfühlungsvermögen und dein Verhandlungsgeschick spielen bei der Bewertung ebenso eine Rolle wie Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen.

Die Postkorbübung

Eine andere Variante des Rollenspiels ist die sogenannte Postkorbübung. In diesem Fall bist du ganz auf dich alleine gestellt. Bei dieser Aufgabe erhältst du einen „Postkorb“ mit Informationen und unterschiedlichen Schriftstücken. Hierbei kann es sich um Protokolle, Aktenvermerke, Berichte, Anweisungen, Einsatzpläne, Einladungen, Notizen oder andere Dokumente handeln. Deine Aufgabe ist es dann, innerhalb kürzester Zeit den Inhalt des Postkorbs zu erfassen, alle Schriftstücke nach Wichtigkeit zu sortieren und die jeweilige Bearbeitungsart der durchzuführenden Aufgaben zu organisieren.

Doch das ist noch nicht alles. Zusätzlich eintreffende Mitteilungen oder das Klingeln des Telefons müssen innerhalb der Aufgabenstellung ebenfalls bewältigt werden. Im Anschluss an die Postkorbübung findet meist noch ein Gespräch statt. Hierbei musst du überzeugend darstellen, warum du die getroffenen Entscheidungen gewählt hast.

Was beim Rollenspiel wichtig ist

Ziel der Postkorbübung ist die Überprüfung deiner Belastbarkeit und Effektivität, wenn du unter großem Zeitdruck arbeitest. Weniger Wert wird darauf gelegt, ob du alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit erledigen kannst. Viel wichtiger ist, ob es dir gelingt, handlungsorientiert zu denken, mit System vorzugehen und Entscheidungen plausibel begründen zu können. Wenn ein Konzept erkennbar ist, du entscheidungsfreudig bist und die Konsequenzen deiner Entscheidungen bedacht hast, wirst du sicherlich viele Pluspunkte sammeln. Muss die Prüfungskommission hingegen erkennen, dass du ohne System und nur aus dem Gefühl heraus handelst, vielleicht sogar bestimmte Aufgaben einfach ignorierst, gewinnen die Prüfer den Eindruck, dass du als Polizist weder belastbar und flexibel bist, noch mit Stress umgehen und organisiert agieren kannst.

Das Interview oder Einzelgespräch

Das Einzelgespräch dient der Prüfungskommission dazu, festzustellen, ob deine Persönlichkeit zum Polizeidienst und zum Team passt. Deshalb geht es im Einzelgespräch vor allem darum, Fragen zu deiner Motivation und deiner Persönlichkeit zu beantworten. Anhand gezielter Fragestellungen möchten die Prüfer herausfinden, warum du dich für den Polizeidienst entschieden und ob du dich bereits mit deiner zuständigen Behörde und den Aufgaben eines Polizisten auseinandergesetzt hast. Außerdem möchte die Prüfungskommission in Erfahrung bringen, ob du einschätzen kannst, welche Herausforderungen der Polizeidienst mit sich bringt.

Das ist beim Interview wichtig

Beim Einzelinterview handelt es sich genaugenommen um ein erweitertes Vorstellungsgespräch. Es beginnt damit, dass du dich kurz selbst vorstellst. Im Anschluss daran werden dir typische Standardfragen gestellt, denen sich Fragen hinsichtlich deiner Leistungsmotivation und Persönlichkeit anschließen. Es geht dann meist um die Beantwortung situativer und verhaltensbezogener Fragen.

Bei situativen Fragestellungen wird von dir gefordert, dein Verhalten in einer fiktiven Situation zu erläutern. Meistens sollst du dich in die Rolle eines Polizisten hineindenken und erläutern, wie du in der beschriebenen Situation reagieren und handeln würdest.

Bei verhaltensbezogenen Fragestellungen geht es um dein persönliches Verhalten in ganz bestimmten Situationen. Von den Prüfern wirst du hierzu auf ein Ereignis oder Thema angesprochen, zu dem du im Rahmen der Beantwortung ein Beispiel nennen muss, das du selbst einmal erlebt hast. Dabei musst du deine damalige Verhaltensweise erläutern. Nachstehende Beispiele sind typische Fragen dieser Art:

  • „Worüber hast du dich in letzter Zeit aufgeregt?“
  • „Hast du einem Freund schon einmal in einer Notsituation geholfen?“

Mit beiden Fragestellungen werden Merkmale und Eigenschaften deiner Persönlichkeit überprüft, die für den Polizeidienst von großer Bedeutung sind. Hierbei geht es vor allem um Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Kontaktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit.

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