Polizei Auswahlverfahren

Polizei Auswahlverfahren

Der Beruf des Polizisten/der Polizistin ist spannend, anspruchsvoll, vielseitig und jeden Tag aufs Neue eine große Herausforderung. Die wichtigste Aufgabe der Polizei ist es, in unserem Land Ordnung und Sicherheit zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Das setzt besondere persönliche Fähigkeiten und Eigenschaften voraus, die für den Polizeiberuf unerlässlich sind. Die Landespolizei jedes einzelnen Bundeslandes und die Bundespolizei sind daher ständig auf der Suche nach geeigneten Bewerbern, die diesem anspruchsvollen Job körperlich und mental gewachsen sind. Um jedoch einen der begehrten Ausbildungsplätze zu bekommen, muss zunächst eine wichtige Hürde überwunden werden: die Eignungsprüfung!

Allgemeine Informationen

In der Bundesrepublik Deutschland ist jedes Bundesland für die Polizei selbst verantwortlich. Das bedeutet, dass die Landespolizeien auch hinsichtlich des Auswahlverfahrens eigenverantwortlich arbeiten und folglich eine bundeseinheitliche Eignungsprüfung hierzulande nicht existent ist. Die Auswahlverfahren in den einzelnen Bundesländern basieren zwar auf grundsätzlichen Bausteinen, die Inhalt jedes Einstellungstests sind, und sind daher durchaus miteinander vergleichbar. Allerdings unterscheiden sie sich oftmals hinsichtlich des Ablaufs.

Übrigens: Die Bundespolizei agiert völlig unabhängig von den Landespolizeien und nimmt auch andere Aufgaben wahr.

Anmerkung: Das Auswahlverfahren wird auch als Einstellungstest, Eignungsfeststellung, Eignungsprüfung oder als Eignungsauswahlverfahren (EAV) bezeichnet. In unserem Nachbarland Österreich ist hierfür der Begriff „Aufnahmetest“ geläufig.

Der Ablauf des Auswahlverfahren bei der Polizei

Der Ablauf des Eignungstests kann hinsichtlich Dauer und thematischer Schwerpunkte in den einzelnen Bundesländern variieren. So werden beispielsweise bei mehrtägigen Auswahlverfahren einzelne Teilbereiche mit zeitlichem Abstand durchgeführt – oder ohne Unterbrechung hintereinander weg. Grundsätzlich haben die Auswahlverfahren der Länder jedoch viele Gemeinsamkeiten.

Vorauswahl über das Bewerbungsverfahren

Bevor du in das eigentliche Auswahlverfahren starten kannst, musst du dich bei der Polizei ganz offiziell bewerben. Hierfür ist es erforderlich, das Bewerbungsformular der Polizei auszufüllen und mit allen anderen notwendigen Unterlagen unter Einhaltung der Bewerbungsfrist bei der entsprechenden Polizeibehörde einzureichen. Deine Bewerbungsunterlagen werden von der Polizei nach Eingang sowohl auf Vollständigkeit als auch auf die Erfüllung der formalen Einstellungsvoraussetzungen geprüft. Sollten Unterlagen fehlen, wirst du darum gebeten, diese nachzureichen. Ist alles in Ordnung, erhältst du eine Einladung zum Einstellungstest.

Computertest

Das Auswahlverfahren startet mit einer umfangreichen schriftlichen Prüfung, die in Form eines Computertests durchgeführt wird. Deine Aufgabe wird es sein, Fragen aus verschiedenen Themengebieten in mehreren Aufgabenblöcken zu beantworten. Zu den Themenschwerpunkten gehören:

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Logisches und visuelles Denkvermögen
  • Allgemeinbildung und Fachwissen
  • Technisches Verständnis
  • Konzentrations- und Merkfähigkeit

Die Aufgaben werden meist im Multiple-Choice-Verfahren gestellt. Du wirst also mehrere Antwortmöglichkeiten haben, aus denen du die richtige Lösung auswählen musst. Möglich sind aber auch offene Fragen. Abhängig vom Bundesland kann einfach nur ein Computertest durchgeführt werden. Es ist aber auch denkbar, dass die Themenbereiche über mehrere Einzeltests abgefragt werden. Im Fachbereich Deutsch kann zusätzlich ein kurzer Aufsatz oder ein Diktat Bestandteil der Prüfung sein.

Bestanden hast du den Test, wenn du eine festgelegte Anzahl Fragen richtig beantwortet hast. Ist das der Fall, hast du dich für den nächsten Teil des Auswahlverfahrens qualifiziert. Bist du beim Computertest durchgefallen, endet der Eignungstest für dich an dieser Stelle.

Sporttest

Körperliche Fitness ist für den Polizeidienst eine der wichtigsten Voraussetzungen. Deshalb wird anhand des Sporttests deine körperliche Leistungsfähigkeit in mehreren Disziplinen geprüft. Dazu können zählen:

  • Langstreckenlauf
  • Hindernis-Parcours
  • Bankdrücken
  • Klimmzüge
  • Weitsprung

In erster Linie geht es beim Sporttest darum, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Kraft unter Beweis zu stellen. Um den Sporttest erfolgreich abzuschließen, musst du in jeder Disziplin ein festgelegtes Minimalergebnis erbringen. Bei mehreren Disziplinen gilt das für jede einzelne. Erbringst du bei einer Sportaufgabe die erforderlichen Werte nicht, gilt die Sportprüfung als „nicht bestanden“ und du scheidest aus dem Auswahlverfahren aus.

Bewerber in Baden-Württemberg müssen im Rahmen der Sportprüfung einen 3000-m-Lauf absolvieren; dieser wird allerdings nur dann gefordert, wenn der Bewerber das Deutsche Sportabzeichen in Silber nicht vorweisen kann.

In Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen gehört der Sporttest nicht zum Auswahlverfahren. Bewerber aus diesen beiden Bundesländern müssen schon mit ihre Bewerbung belegen können, dass sie das Sportabzeichen in Bronze (Nordrhein-Westfalen) bzw. in Silber (Sachsen-Anhalt) abgelegt haben.

Einzelgespräch

Das sogenannte Einzelgespräch im polizeilichen Auswahlverfahren lässt sich durchaus mit dem klassischen Vorstellungsgespräch vergleichen. Dabei kann es sich um ein freies Gespräch oder aber um ein strukturiertes Interview handeln. Im Einzelgespräch geht es für die Prüfer darum, den Bewerber persönlich kennenzulernen und dessen Motivation für den Polizeidienst in Erfahrung zu bringen. Eine typische Frage während des Einzelgesprächs lautet daher: „Warum möchten Sie zur Polizei?“

Assessment-Center

Über das Assessment-Center rücken die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten des Bewerbers in den Blickpunkt. Dieser Prüfungsteil setzt sich aus nachfolgenden Komponenten zusammen:

  • Gruppenaufgaben
  • Gruppendiskussion
  • Kurzreferat oder Kurzvortrag
  • Rollenspiele

Gruppenaufgaben werden vom Bewerber mit anderen Mitbewerbern gemeinsam gelöst. Beim Rollenspiel ist ein Polizist oder ein Prüfer dein Gegenspieler. Alle Aufgaben im Assessment-Center werden von einer Auswahlkommission beobachtet.

In den Bundesländern

  • Bayern
  • Brandenburg
  • Hessen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Sachsen

durchlaufen das Assessment-Center alle Bewerber. In Hamburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ist das Assessment-Center nur für Bewerber des gehobenen Dienstes Bestandteil des Auswahlverfahrens. Wir raten dir unbedingt, dich auch dann kollegial und fair zu verhalten, wenn du das Assessment-Center nicht durchlaufen musst. Teamgeist und der korrekte Umgang mit Menschen sind im Polizeiberuf unverzichtbar. Verschenke daher durch ein unangemessenes Verhalten keine wertvollen Punkte!

Polizeiärztliche Untersuchung

Ein guter allgemeiner Gesundheitszustand ist neben körperlicher Fitness für deinen zukünftigen Job als Polizist/Polizistin unerlässlich. Andernfalls bist du für diesen Beruf nicht geeignet, da du den körperlichen Herausforderungen, die dieser Job zweifelsohne mit sich bringt, nicht gewachsen wärst. Deshalb wird von Polizeiarzt bzw. Polizeiärztin im Rahmen des Eignungstests eine ärztliche Untersuchung durchgeführt, die aus mehreren Teiluntersuchungen bestehen wird:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung
  • Hörtest
  • Sehtest
  • Lungenfunktionstest
  • Belastungs-EKG

Mit der polizeiärztlichen Untersuchung soll festgestellt werden, ob du aus gesundheitlicher Sicht aktuell und auch zukünftig für den Polizeidienst geeignet bist. Das kann allerdings auch bedeuten, dass im Laufe der medizinischen Begutachtung weiterführende Untersuchungen notwendig werden (z. B. Röntgenaufnahmen). Dann wirst du gegebenenfalls an einen Facharzt verwiesen, der das notwendige Attest nachreichen muss. Sollten ganz bestimmte gesundheitliche Einschränkungen festgestellt werden, ist eine Einstellung bei der Polizei nicht möglich.

Rangliste

Hast du alle Teilprüfungen erfolgreich durchlaufen, ist das ein wichtiger Schritt in Richtung Einstellung: Du hast die Eignungsprüfung bestanden, herzlichen Glückwunsch! Leider ist dir trotz dieser erfreulichen Leistung nicht automatisch einen Ausbildungsplatz sicher. Nun kommt die Rangliste ins Spiel, die über Ausbildungsvertrag oder Absage entscheiden wird.

Diese Rangliste setzt sich folgendermaßen zusammen: Aus den Ergebnissen der einzelnen Prüfungsteile wird für jeden Bewerber ein Endergebnis ermittelt. Die Endergebnisse aller Teilnehmer werden dann in diese Rangliste eingetragen; je weiter oben du stehst, umso größer ist die Chance auf eine Zusage.

Die aktuelle Rangliste wird meist auf den Internetseiten der Polizeien veröffentlicht. So kannst du schon vorab erfahren, wie du dich platziert hast und ob du auf einen Ausbildungsplatz hoffen darfst.

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